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2002 Weltmeisterschaften in Jerez (ESP)

Sieg für Frankreich - Deutschland enttäuscht mit Platz vier

Die französische Equipe hat bei den Weltmeisterschaften im Springreiten im andalusischen Jerez de la Frontera (Spanien) mit nur 13,22 Fehlerpunkten den Mannschaftstitel geholt.



Überraschend aber verdient holten nach den Franzosen die Schweden mit 21,02 Punkten Mannschafts-Silber. Die belgische Mannschaft, die 22,68 Punkte erzielte, wurde knapp auf den dritten Rang verwiesen.

Das deutsche Team mit Otto Becker (Steinfeld) mit Dobel`s Cento, Ludger Beerbaum (Riesenbeck) mit Gladdys S, Marcus Ehning (Borken) mit For Pleasure und Lars Nieberg (Homberg/Ohm) mit Adlantus As FRH belegte mit total 27,69 nur den undankbaren vierten Platz.

Bundestrainer Kurt Gravemeier (Sendenhorst) sagte zum Abschneiden der deutschen Mannschaft: "Eine Medaille war für uns Zielvorgabe. Wir sind enttäuscht, aber wir waren heute einfach nicht gut genug. Das müssen wir akzeptieren. Die französischen Pferde waren heute genial und wurden von phantastischen Reitern vorgestellt. Sie haben den Sieg voll und ganz verdient."

Dabei sah die Ausgangssituation für die deutsche Mannschaft nach der ersten Prüfung der Einzelwertung, dem Zeitspringen, das für die Mannschaftsentscheidung mitzählte, noch recht positiv aus. Hinter dem Sieger des Zeitspringens Markus Fuchs (Schweiz) mit Tinka’s Boy mit 72,10 Sekunden (= 0,00 Wertungspunkte) und Eric Lavallois (Frankreich) mit Diamant de Semilly Ecolit mit 72,41 Sekunden (0,16 Punkte) auf Platz zwei konnte sich Ludger Beerbaum mit der westfälischen Stute Gladdys S (von Grandeur) mit 73,09 Sekunden (0,50 Punkte) auf Platz drei etablieren.

Auch Otto Becker wusste mit seinem Holsteiner Hengst Dobel’s Cento (von Capitol I) mit einer Nullrunde zu überzeugen und belegte mit 76,68 Sekunden (2,29 Punkte) Rang neun. Lars Nieberg, der mit dem erst neunjährigen Hannoveraner Adlantus As FRH (von Argentinus) das jüngste Pferd im deutschen Team präsentierte, kam mit einem Abwurf auf 81,90 Sekunden (4,90 Punkte) und erzielte damit Platz 23. Der vierte deutsche Teilnehmer, Marcus Ehning mit dem Hannoveraner Hengst For Pleasure (von Furioso II) musste zwei Abwürfe hinnehmen, was ihm eine Zeit von 84,64 Sekunden (6,27 Punkte) und damit Platz 44 einbrachte.

In der Mannschaftswertung bedeutete das für das deutsche Team mit 7,69 Punkten Platz zwei hinter der französischen Equipe, die mit 4,22 Punkten in Führung lag. Dritter war das schwedische Team mit 9,02 Punkten, gefolgt von der Schweiz (9,34 Punkte) und Irland (10,94 Punkte).

Der Nationenpreis über zwei Umläufe am Tag darauf stellte für die Teilnehmer der 21 Nationalmannschaften sowie die 32 Einzelreiter eine zunächst scheinbar lösbare Aufgabe dar. Zwölf Hindernisse mit 15 Sprüngen waren über eine Länge von 510 Metern verteilt. Pünktlich zum Beginn der Prüfung gab es eine unangenehme Überraschung für die Reiter, als sich dichter Bodennebel ins Stadion senkte und die Sichtverhältnisse erheblich beeinträchtigte.

Für die deutsche Mannschaft, die in der Startfolge Platz acht einnahm, ritten als erstes Paar Otto Becker und Dobel’s Cento ein. Im dichten Nebel war das Paar kaum auszumachen. Die beiden begannen zunächst recht souverän, mussten jedoch an Sprung drei, einem blau-weißen Oxer, einen Abwurf hinnehmen, was die ersten vier Strafpunkte auf das deutsche Konto brachte. Danach beendeten Becker und sein 13jähriger Schimmel ohne weiteren Fehler den Parcours.

Die erste fehlerfrei Runde des Tages präsentierte der Amerikaner Peter Wylde. Der nach dem Zeitspringen an vierter Stelle der Einzelwertung liegende Wylde zeigte, dass sein Erfolg am Vortag kein Zufall war. Sehr sicher steuerte er seine elfjährige Holsteiner Landadel-Tochter Fein Cera ohne Fehler ins Ziel. Eine Leistung, die kurz danach auch dem Schweden Peter Eriksson sowie zu einiger Überraschung ebenfalls dem Argentinier Gregorio Wertheim gelang.

Dem nach dem ersten Tag in Führung liegenden Eric Levallois unterlief ausgerechnet am letzten Hindernis ein schwerer Fehler, als er sein Pferd Diamant de Semilly Ecolit voll in den Oxer springen ließ, was seinem Team vier Fehlerpunkte einbrachte. Glücklicherweise blieb dies ohne Blessuren für den Hengst.

Für Deutschland ging als nächster Lars Nieberg mit Adlantus As FRH an den Start. Routinier Nieberg, der erst im letzten Augenblick ins Team gekommen war, weil der Springausschuss des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) den Hengst noch eigentlich für etwas zu unerfahren für eine so schwere Aufgabe gehalten hatte, machte seine Sache recht gut.. Erst am vorletzten Hindernis, dem 4,20 Meter breiten Wassergraben, der sich zunehmend als die Klippe im Parcours erwies, mussten die beiden einen Fehler hinnehmen. Dadurch aus dem Rhythmus gebracht gab es am letzten Hindernis noch einmal einen Abwurf. Unmittelbar danach gelang es Stanny van Paesschen (Belgien) mit O de Pomme, die erste Nullrunde für sein Team zu erzielen. Der zweite für Frankreich startende Reiter, Reynald Angot mit Tlaloc M, baute mit einer Nullrunde den Vorsprung seiner Mannschaft weiter aus.

Marcus Ehning als dritter deutscher Starter legte bis zum Wassergraben einen sehr guten Ritt mit dem 16jährigen For Pleasure hin. Der Hengst, mit dem Ehning im Monat zuvor noch Deutscher Meister in Mannheim geworden war, blieb bis zum Wassergraben fehlerfrei. Aber dann passierte auch ihm das Missgeschick, und der Fuchs tappte knapp ins Wasser hinein.

Mit total vier Fehlerpunkten wurde das deutsche Konto zusätzlich belastet. Damit summierten sich die Punkte langsam aber kontinuierlich auf deutscher Seite. Nachdem Nicole Simpson (USA) mit El Campeons Cirka Z mit 17 Fehlerpunkten als zweite Reiterin für ihr Team das Streichergebnis abgeliefert hatte, bot die dritte Amerikanerin, Elisabeth Madden mit Judgement, die zweite Nullrunde für ihr Team.

Gilles Bertran de Balanda, der als dritter Reiter für Frankreich startete, präsentierte mit dem Hengst Crocus Graverie bis zum mittleren Sprung der dreifachen Kombination eine perfekte Leistung. Dort mussten der 52-jährige und sein Hengst jedoch eine Verweigerung hinnehmen, die ihnen zusätzlich zwölf Strafpunkte für Zeitüberschreitung einbrachte. Helena Lundbäck, die dritte schwedische Reiterin, brachte mit einer weiteren Nullrund ihre Mannschaft immer weiter nach vorn.

Als viertes Paar für Deutschland gingen Ludger Beerbaum und Gladdys S an den Start. Doch auch der Weltranglisten-Erste scheiterte mit seiner Stute am Wassergraben. Vier Fehlerpunkte blieben denn auch das Endergebnis für das Paar. Damit hatte sich das deutsche Gesamtergebnis nach dem ersten Umlauf des Nationenpreises abzüglich des Streichresultates von Lars Nieberg auf 19,69 Fehlerpunkte summiert.

Für Belgien wahrte Jos Lansink mit AK Caridor Z mit einer Nullrunde den Anschluss. Mit total 21,68 Fehlerpunkten nach dem ersten Umlauf folgte sein Team der deutschen Mannschaft ziemlich dicht auf.

Leslie Howard (USA) mit Priobert de Kalvarie schloss mit einer 4-fehler-Runde für das amerikanische Team den ersten Umlauf ab. Mit insgesamt 17,75 Fehlerpunkten schoben diese sich nun vor das deutsche Team. Auch Eric Navet, der französische Doppelweltmeister von 1990 und Schlussreiter in seinem Team, ließ mit seinem Hengst Dollar du Murier HTS de Seine fast nichts anbrennen. Ein einziger Fehlerpunkt für Zeitüberschreitung belastete das französische Punktekonto nur unwesentlich. Mit 9,21 Fehlerpunkten und damit an zweiter Stelle liegend beendeten die Reiter der französischen Equipe den ersten Umlauf.

Noch besser waren nur noch die Schweden. Malin Baryard als Schlussreiterin im schwedischen Team bot mit H&M Butterfly Flip eine souveräne, fehlerfreie Runde und hielt so das Ergebnis ihrer Mannschaft bei 9,02 Fehlerpunkten.

Für die deutsche Equipe blieb damit in der Zwischenwertung "nur" Platz vier. Hinter Deutschland folgten die Niederlande mit 21,39 Fehlerpunkten, Belgien mit 22,68 Fehlerpunkten und Irland mit 26,94 Fehlerpunkten auf den Plätzen fünf bis sieben. Die Ränge acht bis zehn nahmen Italien mit 28,82 Fehlerpunkten, Brasilien mit 31,47 Fehlerpunkten sowie Kanada mit 40,21 Fehlerpunkten ein

Für die ab Platz elf folgenden Mannschaften bedeutete dieses Zwischenergebnis zugleich auch das Endergebnis, da für den zweiten Umlauf lediglich die zehn besten Teams zugelassen waren. Die Reiter der anderen Mannschaften durften am zweiten Umlauf nur noch im Rahmen der Einzelwertung teilnehmen. Dies waren: Argentinien (41,28 Fehlerpunkte/Platz elf), Schweiz (43,34/12), Australien (46,31/13), Mexiko (47,71/14), Spanien (57,91/15), Großbritannien (58,79/16), Bulgarien (66,51/17), Saudi Arabien (68,94/18.), Kolumbien (74,25/19), Japan (75,28/20) sowie Korea (77,38/21).

Im zweiten Umlauf gingen zunächst die Einzelreiter an den Start. Dann folgten die Mannschaften in umgekehrter Reihefolge ihres Punkte-Rankings aus dem ersten Umlauf. In der zweiten Runde produzierten die dicht hinter der deutschen Mannschaft liegenden Belgier und auch die Niederländer mit Philipie Lejeune und Gert-Jan Bruggink zwölf beziehungsweise acht Fehlerpunkte.

Für die deutsche Equipe, die nun gemäß ihrem Ranking aus dem ersten Umlauf als viertletzte Mannschaft startete, ging wiederum Otto Becker mit Dobel`s Cento als erstes Paar ins Rennen. Diesmal bedeutend besser sichtbar als bei dem morgendlichen Nebelritt, dafür aber mit dem gleichen Resultat. Denn bei Hindernis sechs, einem blau-weißen Steilsprung, erwischte der Schimmel die oberste Stange.

Die Amerikaner wie die Franzosen legten mit Peter Wylde mit Fein Cera sowie Eric Levallois mit Diamant de Semilly Ecolit zwei ausgezeichnete Nullrunden hin. Lediglich für Schweden fing sich Peter Eriksson mit dem holsteinisch gezogenen VDL Cardento gleich zwei Abwürfe ein.

Bei den zweiten Reitern fiel die Nullrunde des Belgiers Stanny van Paesschen zunächst noch gar nicht so auf, denn kurz darauf vollbrachte Lars Nieberg sein Meisterstück. Ohne Fehler und besonders "ohne Wasserprobleme", brachte der 39jährige mit einer kämpferischen Glanzleistung Adlantus As FRH nach Hause. Die erste Nullrunde des deutschen Teams im gesamten Wettkampf war vollbracht.

Zusätzlichen Auftrieb gaben die folgenden Ritte. Denn Nicole Simpson kassierte ausgerechnet am letzten Hindernis einen Fehler, und der im ersten Umlauf so brillierende Reynald Angot hatte mit Tlaloc M einen totalen Aussetzer. Ein Fehler an Hindernis Nummer fünf, einer Tripplebarre, und eine darauf folgende Verweigerung an Nummer sechs, ein weiterer Fehler am Wassergraben sowie auch noch einer am letzten Hindernis ließen seine Fehlersumme auf deutliche 19 Strafpunkte anwachsen. Auch der Schwede Royne Zettermann mit Richmont Park musste zwei Abwürfe hinnehmen.

Hoffnung im deutschen Team sowie unter den zahlreichen angereisten deutschen Schlachtenbummlern machte sich breit, den Spieß noch einmal umdrehen zu können. Etwas Unbehagen kam hingegen auf, als Peter Postelmanns, der dritte Belgier, ebenfalls eine Nullrunde ritt. Das schlechte Gefühl steigerte sich, als es Marcus Ehning beim Einsprung der Zweifachen nicht gelang, ohne Fehler zu bleiben. Nun begann sich der Medaillenverlust der deutschen Mannschaft abzuzeichnen.

Aber auch für das US-Team entschied der dritte Reiter über die Medaillen. Mit drei Abwürfen wurde die erfahrene Elisabeth (Beezie) Madden zum Streichergebnis ihrer Equipe im zweiten Umlauf. Der Franzose de Balanda hingegen konnte sich lediglich mit einem Abwurf ins Ziel retten. Siegeszuversicht machte sich nun im französischen Lager breit, auch wenn die dritte Schwedin, Helena Lundbäck, mit ihrer Stute Utfors Mynta die erste Nullrunde für ihre Equipe im zweiten Umlauf einfuhr.

Als vierter Starter schaffte Jos Lansink für Belgien das fast Unmögliche und legte mit AK Caridor Z die dritte Nullrunde seiner Mannschaft im zweiten Umlauf hin. Damit war das belgische Team mit insgesamt 22,68 Fehlerpunkten definitiv vor dem deutschen, egal mit welchem Ergebnis Ludger Beerbaum und Gladdy’s S aus dem Parcours kommen würde!

Und ausgerechnet Ludger Beerbaum, der in der Vergangenheit so oft einem deutschen Team die Mannschaftsmedaillen sichern half, produzierte mit einem Abwurf in der Dreifachen sowie einem Fehler am Wasser das deutsche Streichergebnis im zweiten Umlauf. Mit desillusionierenden 27,69 Fehlerpunkten schloss das deutsche Team den Wettbewerb ab. Da half es wenig, dass sich unmittelbar danach die amerikanische Mannschaft mit einem Achtfehlerritt von Leslie Howard ebenfalls aus den Medaillenrängen katapultierte und hinter Deutschland und den Niederlanden sogar "nur" Sechster wurde.

Die folgende Nullrunde von Eric Navet brachte Frankreich endgültig den Sieg. Das letzte kleine Hoffnungsfünkchen für die deutschen Reiter, doch noch zumindest auf eine Bronzemedaille zu kommen, löschte Malin Baryard mit einer Vierfehlerrunde. Mit total 21,02 Punkten errang Schweden Silber. Verdiente Bronze für eine großartige kämpferische Leistung ging an Belgien mit 22,68 Fehlern.

Damit ging erstmals nach 16 Jahren eine deutsche Springequipe bei einer Weltmeisterschaft leer aus.
 

2002 - EQUESTRIAN Olympiahalle London

Sony Ericsson Ivy Stakes:
1 Mr Springfield (Robert Smith, Gbr) 0 faults 34.32sec,
2 Fresh Direct Parcival (Tim Stockdale, Gbr) 0/35.33,
3 It's Magic Max (Keith Shore, Gbr) 0/38.33,
4 Cortaflex Mondriaan (William Funnell, Gbr) 0/41.11,
5 H&M Royal Son Z (Malin Baryard, Swe), 0/42.33,
6 Fighting Alpha (Lars Nieberg, Ger) 4/34.89

Olympia International Show Jumping Championships Knock-Out:
1 Gambe 19 (Markus Merschformann, Ger),
2 Edza de St Denis (Markus Fuchs, Swi),
3 Bamboula du Thot (Olivier Guillon, Fra),
3 AK Colour of Life (Ellen Whitaker, Gbr),
5 Graziana 22 (Toni Hassmann, Ger),
5 Lord Liberty W (Robert Whitaker, Gbr),
5 Dow Jones Courcel (Dermott Lennon Irl),
5 Gamble (Andrew Davies, Gbr)

Christmas Eve Six Bar:
1= Captain Wellington (A.Davies, Gbr),
1= Sheila (F.Sloothaak, Ger) 0 faults,
3 Lactic (J.Whitaker, Gbr) 4 flts,
4 Bioagrico Ohio van der Padenborre (S. van Paesschen, Bel) 8 flts

Farewell Speed Stakes:
1 Landstreicher (A.Hassmann, Ger) 53.37 secs,
2 Championesse d'Amazones (M.Diederichsmeier, Ger) 54.41,
3 Fresh Direct Glenwood Springs (T.Stockdale, Gbr) 55.66,
4.Leo Z (D.Lampard, Gbr) 56.24


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