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Tassilo Rathjen

Gefühl für die Distanz - Springlehre mit dem Praktiker

Viele Wege führen nach Rom, und viele Wege führen durch einen Parcours. Doch egal, für welche Route sich ein Reiter zwischen den Hindernissen entscheidet - die Distanzen müssen für sein Pferd passen. Ein Springreiter erklärt, wie man sein Augenmaß und Distanzgefühl schulen kann.

Grundsätzlich versteht man unter einer Distanz den Abstand zwischen zwei Hindernissen. Gerechnet wird dabei in Metern, die dann wiederum in Galoppsprünge umgewandelt werden. Es gibt gerade und gebogene Distanzlinien, die zwischen 14 und 28 Metern liegen. Umgerechnet heißt das:

Für eine Distanz von 14 bis 15 Metern werden drei Galoppsprünge berechnet. Für alle weiteren drei bis vier Meter wird ein Galoppsprung dazu addiert.

Um die Hindernisse optimal überwinden zu können, müssen auch die Distanzen stimmen. Um aber eine Distanz kontrolliert im Rhythmus reiten zu können, ist eine dressurmäßige Ausbildung von Pferd und Reiter Grundvoraussetzung. Der Reiter muss in der Lage sein, die Galoppsprünge seines Pferdes je nach Bedarf zu verlängern oder zu verkürzen, ohne dass der Schwung oder der Rhythmus dabei verloren gehen.

Durch halbe Paraden muss man das Pferd auf der Distanz "spannen" können, damit es sich vor dem Sprung optimal "entladen" kann. Unerlässlich ist aber auch hier das individuelle Gefühl, welchen Schwung und welches Tempo ein Pferd für gewisse Hindernisse braucht.

So wie alle Menschen unterschiedlich viele Schritte für den selben Weg vornehmen, haben auch Pferde unterschiedlich große Galoppsprünge. Zur korrekten Bemessung einer Distanz ist es daher wichtig, auch den Galoppsprung eines Pferdes zu berücksichtigen.

Um als Einsteiger ein Gefühl für Rhythmus und Tempo zu bekommen und gleichzeitig die Kontrolle über sein Pferd zu schulen, ist Stangen- oder Cavalettiarbeit empfehlenswert. Die Stangen sollten in unterschiedlichen Abständen plaziert werden, was auch zusätzlich das Auge des Reiters für Abstände schult.

Erst wenn diese Übung wirklich sitzt, ist es ratsam, an Hindernisse heranzugehen. Denn ein Pferd, das mehrmals unpassend an einen Sprung heran geritten wurde, kann auf Dauer die Lust verlieren. Im schlimmsten Falle kommt es zum Sturz, der weder das Vertrauen des Reiters noch das des Pferdes fördert.

Wenn im nächsten Schritt also Hindernisse aufgebaut werden, sollte man mit optimalen Distanzen auf gerader Linie beginnen. Zur Hilfe kann man sich hier immer noch ein Cavaletti mit 14 Meter Abstand vor den Sprung setzen. So weiß man genau, dass jetzt noch bei ruhigem Arbeitstempo drei Galoppsprünge bis zum Absprungpunkt folgen.

Nach erfolgreichem Gelingen probiert man die Übung dann ohne Cavaletti. Jetzt muss der Reiter die Galoppsprünge selbst regulieren. Eine weitere Steigerung ist dann das Aufstellen der Sprünge auf gebogenen Wegen. Hier wird schon vermehrt das Gefühl des Reiters für die richtige Distanz geschult.

Die größte Herausforderung sind dann "unpassende" Distanzen, in denen der Galoppsprung alternativ verlängert oder verkürzt werden muss. Wichtig zu beachten ist auch, dass das Pferd zwischen den Hindernissen auf langen Wegen nicht "auseinanderfällt". Es sollte immer gleichmäßig an den Hilfen stehen und ohne davon zu stürmen auf die Reiterhilfe warten. Routinierte Pferde entwickeln natürlich im Laufe der Zeit auch ein eigenes Absprunggefühl, was zum Beispiel besonders im Stechparcours von Vorteil ist.

Ein kleiner Tipp!

Normalerweise sagt man ja: ein Meter gleich ein Schritt. Doch jeder Mensch hat eine andere Schrittlänge. Damit man nun im Parcours genau weiß, wieviele Meter zwischen den Hindernissen liegen, kann man vorher zu Hause an einem Maßband oder Zollstock, den man sich auf den Boden legt, üben, wie groß der eigene Schritt sein muss, um einem Meter zu entsprechen.

 

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