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Baltic Horse Show 2003 - Retrospektive
2003 Irgendwann am späteren Sonnabend stand Peter Rathmann da. Völlig entspannt. Gelassen. Spätestens da war klar: Die Baltic Horse Show würde bei ihrer 14. Auflage ein großartiger Erfolg werden.
Wohl wahr, inoffiziell 20 800 Zuschauer in der Kieler Ostseehalle bedeuteten einen Zuwachs von fast 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Ganz besonders stolz sind wir, dass wir auch viele Laien in die Halle locken konnten“, resümierte Veranstalter Peter Rathmann.
Der Raisdorfer hat einen weiten Weg gehen müssen bis zu diesem, ja, kleinen Triumph in diesem Jahr. Immer wieder das Programm punktuell verfeinert. Und der Spagat zwischen Show und Sport soll auch weiterhin die individuelle Note der Baltic Horse Show ausmachen. „Die Leute sollen dieses Turnier immer mit Show, Kultur und Sport verbinden“, sagte Rathmann, der seit vorigem Jahr das Turnier mit einem klassischen Konzert eröffnet.
Wobei es über die Gewichtung durchaus unterschiedliche Meinungen gibt. Doch die meisten Reiter wissen, dass sie über den Tellerrand schauen müssen. „Es gibt halt Sachen, die mit dem klassischen Sport nicht mehr viel zu tun haben“, sagte beispielsweise der Friedrichskooger Björn Nagel. Und auch Harm Sievers, dem Vorsitzenden des Clubs der Springreiter in Schleswig-Holstein, betont die Notwendigkeiten, denen sich die Reiter ergeben müssen. „Und so lange es den Pferden nicht schadet. . .“, sagte der Tasdorfer. Fakt ist, dass das Publikum gerade bei den von den Aktiven eher naserümpfend betrachteten Elementen besonders johlte. „40 Mal zu gucken, ob die Stange fällt oder ob die Stange nicht fällt, ist nicht für jeden etwas“, sagte Nagel. Des einen Freud . . .
Das Element „Holsteiner gegen den Rest der Welt“ beispielsweise fand der eine Reiter überflüssig, der andere wiederum zukunftweisend. Und dem dritten wieder war es nur zu spät Schlag Mitternacht.
Dem einen fehlte ein sportliches Element am gut 13 Stunden langen Sonnabend, an dem nur drei Springprüfungen ausgeschrieben waren, der andere fand gerade drei schwierige Springen genau richtig. „Wir haben 28 Parcours aufgebaut“, sagte Rathmann. Und das ist eigentlich nicht wenig.
Es waren also nur Marginalien, über die im zweckentfremdeten Handballtempel diskutiert wurden, und das verdeutlicht, wie gelungen diese Tage waren. Wobei Rathmann sicher zupass kam, dass er mit seinem Konzept „Qualität statt Quantität“ in der vor-olympischen Hallensaison richtig lag. Gut zehn Monate vor den Spielen in Athen war es unter den Augen des Bundestrainers Kurt Gravemeier schon anspruchsvoller Sport, der an der Kieler Förde geboten wurde.
Ob man denn der Baltic Horse Show nach ihrem 14. Geburtstag unterstellen dürfe, allmählich erwachsen zu werden, ist dann die letzte Frage unserer Zeitung. „Nein“, sagt Peter Rathmann und seine Augen glitzern ganz stolz. „Sie ist es geworden.“
Holsteiner die besseren Reiter Kiel (sko) „Holsteiner gegen den Rest der Welt“ - das neue Motto der Baltic Horse Show feierte in der Nacht zum Sonnabend seine Weltpremiere.
Neun Holsteiner Reiter gegen neun internationale. Mann gegen Mann. Das begeisterte Publikum stand buchstäblich auf den Sitzen. „Das hat Zukunft“, sagte der Tasdorfer Harm Sievers, Vorsitzender des Clubs der Springreiter im Land zwischen den Meeren, der sich lediglich einen früheren Termin gewünscht hätte. Und dass die Lokalmatadoren am Ende mit 5:4 auch noch die Nase vorn hatten, setzte dem Spektakel noch die Krone auf.
Einen Punkt steuerte der Friedrichskooger Tjark Nagel bei, der sich immerhin im Duell mit Ludger Beerbaum behauptete. Jener ist zwar nur noch Zweiter der Weltrangliste, aber trotzdem der unumstritten beste Reiter der Welt. Selbst sechs Stafsekunden für zwei Abwürfe konnte Nagel verschmerzen. „Ludger ist nicht voll geritten.“
Das bestätigte der Riesenbecker auch, der sich mehr aus der Verpflichtung den Fans gegenüber mit Rubin ins Getümmel geworfen hatte. „Das war ein Showelement, sportlich pillepalle.“ Ohnehin betrachtet der Riders-Tour-Gewinner die Show-Elemente zwiespältig. „Zum Zirkusdirektor lasse ich mich nicht machen.“
Ein Traum wird wahr
DLZ/BZ-Leserin Wiebke Bruhn trifft Olympiasieger Kiel (sko) „Hinter den Kulissen - für die Hochdonnerin Wiebke Bruhn wurde bei der Baltic Horse Show ein kleiner Traum wahr.
Die 34-jährige Hausfrau hatte bei einer Telefonaktion der Dithmarscher Landeszeitung/Brunsbütteler Zeitung Eintrittskarten und eine Parcoursbegehung mit einem Reiter gewonnen. Wobei der kurz zuvor noch versprochene Marcus Ehning passen muss. Zwar kommt der Mannschafts-Olympiasieger, ist auch gleich per du mit der dreifachen Mutter aus Dithmarschen, muss aber schnell wieder los. Er hat im Springen einen frühen Startplatz und zuvor muss noch der kleine Bruder in den Parcours.
Mittendrin statt nur dabei: (von links) Timo Bruhn, die schwedische Reiterin Maria Gretzer, der frühere Doppel-Olympiasieger Ulrich Kirchhoff und Wiebke Bruhn schreiten den Parcours vor dem Championat von Kiel ab. Die Hochdonnerin hatte die Begehung bei der DLZ/BZ gewonnen. Foto: Skowasch
Doch Ehning hat Ersatz besorgt, keinen schlechten: Maria Gretzer, die Olympia-Sechste von 1992 aus Schweden. Sie erklärt Frau Bruhn und derem achtjährigen Sohn Timo genau, worauf man achten muss in diesem S-Springen mit Stechen. Zum Beispiel bei der zweifachen Kombination, die sie gleich mehrfach abschreitet: „Das wird schwierig“, sagt die Schwedin. Wohl wahr: Ehning muss dort schon nach 18 Sekunden seinen Traum vom Gewinn der 3150 Euro Siegprämie begraben. Gretzer besinnt sich später sogar eines besseren und verzichtet auf einen Start, auch wenn Wiebke Bruhn fleißig Daumen drücken wollte. „Das wäre für mein Pferd zu schwierig“, erklärt die 44-Jährige. „Ich hätte nie gedacht, dass die Hindernisse so hoch sind“, sagt denn auch Frau Bruhn, deren Familie selbst bei Ditmarsia Hochdonn im Ringreiten aktiv ist, aber den großen Sport sonst nur aus dem TV kennt. Einmalig findet sie die Atmosphäre. „Das bekommt man im Fernsehen gar nicht so mit.“ Aber dafür gibt es ja die Zeitung.
Meldungen
Die DLZ/BZ hatte gewarnt, er aber die falsche Zeitung gelesen: Elad Yaniv (Israel) hatte trotz Wochenmarkt auf dem Exerzierplatz geparkt. Sein Auto wurde ebenso abgeschleppt wie das von drei anderen Reitern.
Viel Lob gab es für den neuen Boden in der Ostseehalle, der bei seiner Deutschland-Premiere statt der nötigen 10 gleich 15 zentimeter dick war. Ludger Beerbaum: „Am Anfang war ich ja skeptisch, aber jetzt. . .“
Zweimal fehlten ihm sechs Hundertstelsekunden zum Sieg, aber dafür erhielt Alois Pollmann-Schweckhorst einen lukrativen Trostpreis. Er war der erfolgreichste Reiter der Baltic Horse Show.
Heftige Kritik an der Landesregierung, die durch Abwesenheit glänzte: „Das ist eine Nicht-Beachtung des Sports“, sagte Peter Rathmann. „Der Athlet Pferd ist aber eine Wirtschaftsmacht in Schleswig-Holstein.“
Turnierdirektor auf Abwegen: Der ungewöhnlich erfolglose Franke Sloothaak reiste vorzeitig aus Kiel ab. „Er hat heiße Wochen hinter sich und erhielt von mir Dispenz“, sagte Veranstalter Peter Rathmann.
Baltic Horse Show - Ergebnisse Nordwest Lotto präsentiert: Holsteiner Schaufenster, Zwei-Phasen-Springprüfung Kl. S/B national: 1. Rolf Göran Bengtsson (Schweden) mit Kassandra 0 Fehlerpunkte/24,53 Sekunden; 2. Torben Seemann (Hohenwestedt) Cariba 0/25,45; 3. Thomas Voss (Schülp/Nortorf) Gazelle d‘Aubry 0/25,48; 4. Dirk Schröder (Lentföhrden) Don-Caster 0/27,06; 5. Torben Köhlbrandt (Fehmarn) Loretto 0/27,67; 6. Claas Christoph Gröpper (Hamburg) Aaron 0/28,83 Bank Companie Nord präsentiert: Zwei-Phasen-Springpüfung international: 1. Otto Becker (Mühlen) Filias 0/22,21; 2. Toni Hassmann (Lienen) Lincolm 0/24,28; 3. Christian Ahlmann (Riesenbeck) Sinclaire 0/25,21; 4. Hauke Luther (Wittmoldt) Index 0/26,22; 5. Pia-Luise Aufrecht (Schmiedeäcker) Ingmar 0/26,53; 6. Jessica Kürten (Irland) Dakar 0/26,89; 7. Hans-Thorben Rüder (Fehmarn) Ricardo 0/26,94; 8. Thomas Schepers (Fröndenberg) Power W 0/27,58.
„Holstein gegen den Rest der Welt“: Teamwertung 5:4 - 1. Hauke Luther (Wittmoldt) Cajano 32,47 Sekunden; 2. Piet Raymakers (Niederlande) Curt 35,94; 3. Franke Sloothaak (Borgholzhausen) Livera 36,70; 4. Sören von Rönne (Neuendeich) Athletica 37,19; 5. Ulrich Kirchhoff (Borken) Los del Rio 37,83; 6. Marco Kutscher (Riesenbeck) Conterno-Grande 37,84; 7. Mario Deslauriers (Kanada) Charisma 39,19; 8. Willi Melliger (Schweiz) Liquido 39,72
Baudienst Kiel präsentiert: Internationales S-Springen für Nachwuchspferde: 1. Marcus Ehning (Borken) For Fun 0/47,93; 2. Jessica Kürten (Irland) Castle Forbes Libertina 0/49,32; 3. Toni Haßmann (Lienen) Forsyth 0/50,73; 4. Inga Rauert (Fehmarn) Cypria 0751,10; 5. Björn Nagel (Friedrichskoog) Cascavelle 0/51,63; 6. Lars Nieberg (Homberg-Ohm) Dexter 0/51,70; 7. Andreas Ripke (Steinfeld) Lalique-B 0/52,15; 8. Tjark Nagel (Fr‘koog) Cash 0/52,64.
„Preis der Warsteiner Brauerei“, Internationales S-Springen Winning Round: 1. Marco Kutscher (Riesenbeck) Montender 0/30,84; 2. Alois Pollmann-Schweckhorst (Warstein) Candy 0/30,90; 3. Lars Nieberg (Homberg-Ohm) Lucie 0/35,51; 4. Marcus Ehning (Borken) Sandro Boy 0/41,36; 5. Maria Gretzer (Schweden) Cinderella 4/31,93; 6. Iver Börnsen (Ahlhorn) Aglaia 4/32,18; 7. Janne-Friederike Meyer (Hamburg) Callistro 4/34,88; 8. Hardy Diemer (Singhofen/Westerwald) Ladykiller 4/35,47 - alle im Stechen.
Kieler Nachrichten präsentieren: K.o.-Springen: 1. Inga Rauert (Fehmarn) Charlie; 2. Willi Melliger (Schweiz) L.B. Liquido. 3. Philip Rüping (Breitenburg) Sinead und Mario Deslauriers (Kanada) Charisma.
Volvo-Championat von Kiel, Springprüfung Stechen Klasse S: 1. Heinrich-Wilhelm Johannsmann (Steinhagen) Potsdam NRW 0/33,74; 2. Alois Pollmann-Schweckhorst (Warstein) Diamonds Daylight 0/33,80; 3. Dirk Schröder (Lentföhrden) Jolie Amie 0/33,85; 4. Sören von Rönne (Neuendeich) Cantaro 0/34,94; 5. Ludger Beerbaum (Riesenbeck) Diabolo du Parc 0/39,51; 6. Christian Ahlmann (Riesenbeck) Comtessa 4/35,32; 7. Johannes Ehning (Borken) Carmen 4/39,30; 8. Thiess Luther (Wittmoldt) Chara-Mia 8/37,41; 9. Franz-Josef Dahlmann (Herford) Pikeur Calanda 8/38,93; 10. John Whitaker (Großbritannien) Gem of India 8/40,10 (alle im Stechen).
Opus Showtechnik präsentiert: Internationales S-Springen für Nachwuchspferde (Finale): 1. Toni Haßmann (Lienen) Forsyth FRH 0/29,55; 2. Meredith Michaels-Beerbaum (Thedingausen) Checkmate 0/30,29; 3. Alois Pollmann-Schweckhorst (Warstein) Rainy Day 0/31,12; 4. Lars Bak Andersen (Dänemark) Cassandro 0/31,71; 5. Florian Meyer zu Hartum (Herford) Champion 0/31,99; 6. Ludger Beerbaum (Riesenbeck) Couleur Rubin 0/32,36; 8. Marc Wirths (Mayen/Koblenz) Thorax van't Eikhof 0/36,15.
Championat von Schleswig-Holstein, internationales S-Springen Stechen (Dotierung: 44 000 Euro, Sieger: 10 000): 1. Lars Nieberg (Homberg-Ohm) Loreana 0/32,64; 2. Ludger Beerbaum (Riesenbeck) Gladdys 0/32,90; 3. Otto Becker (Mühlen/Oldenburg) Grandilot 0/33,83; 4. Toni Haßmann (Lienen) Lincolm 0/35,12; 5. Alois Pollmann-Schweckhorst (Warstein) Candy 0/35,40; 6. Sören von Rönne (Hamburg) Chandra 0/36,34; 7. Pia-Luise Aufrecht (Affalterbach) Eburovic 0/37,06; 8. Ellen Holtgers (USA) Gitania 0/37,67; 9. Marcus Ehning (Borken) Sandro NBoy 4/34,10; 10. Maria Gretzer (Schweden) Cinderella 8/35,79 (alle im Stechen)
NordwestLotto präsentiert: Holsteiner Schaufenster, S-Springen national: 1. Tjark Nagel (Friedrichskoog) Cliff 0/32,57; 2. Dirk Schröder (Lentföhrden) Don-Caster 0/35,68; 3. Burkhard Tesdorpf (Hamburg) Catharo 0/42,20; 4. Jörg Naeve (Groß Wittensee) Quick Flash 8/37,92 (alle im Stechen); 5. Carsten-Otto Nagel (Wedel) Fambus 4/55.75; . . . 11. Björn Nagel (Friedrichskoog) All Along 8/55,02.
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