HOLSTEINER PFERDE MARKT holsteiner pferd cento v. capitol (Otto Becker) cöster v. calato (Christian Ahlmnn) loreana v. lord landstreicher v. landgraf holsteiner fohlen holsteiner stute holsteiner hengst springpferd parcourspferd

Zuchtwertschätzung 2002 "Das Modell hat sich bewährt"

Von Züchtern und Zuchtinteressierten wird das Jahresende stets mit Spannung erwartet, denn dann kommt das Jahrbuch Zucht mit der FN-Zuchtwertschätzung auf den Markt. 2001 wurde die Zuchtwertschätzung revolutioniert: Die Integrierte Zuchtwertschätzung - von den Mitgliedern der World Breeding Fédération for Sport Horses (WBFSH) vor kurzem als die modernste der Welt bezeichnet - wurde im vergangenen Jahr heftig, zum Teil auch kontrovers diskutiert und so waren die Erwartungen für das "zweite Jahr" natürlich sehr groß. "Das Modell hat sich bewährt", zog Dr. Klaus Miesner, Geschäftsführer des Bereiches Zucht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), eine erste Bilanz. "Die Zuchtwerte sind stabil und zwar sowohl in den Integrierten Gesamtzuchtwerten Dressur bzw. Springen als auch in den Teilzuchtwerten Hengstleistungs- bzw. Zuchtstutenprüfungen und Aufbau bzw. Turniersportprüfungen beider Disziplinen. Für den Züchter bringt die neue Zuchtwertschätzung deutlich mehr Transparenz und Hintergrundinformationen in die Vielfalt der Leistungsdaten der Hengste."

Angeführt wird die Rangliste in der Dressur - wie auch 2001 - vom 1993 geborenen Oldenburger Donnerhall-Sohn Don Schufro (Zuchtwert 174, Sicherheit 83 Prozent). Auf Rang zwei folgt - ebenfalls wie 2001 - mit einem Zuchtwert von 161 (95 Prozent) der Hannoveraner Wolkentanz I von Weltmeyer. Mit einer Genauigkeit von 94 Prozent wurde für den westfälisch gebrannten Florestan I-Sohn Fidermark ebenfalls ein Zuchtwert von 161 geschätzt. Bis Rang zehn folgen: Rivero II, Bayer von Rautenstein, Zuchtwert 160 (Genauigkeit 86 Prozent); Welt Hit I O, Oldenburger von Weltmeyer, Zuchtwert 158 (85 Prozent); Don Primero, Oldenburger von Donnerhall, Zuchtwert 157 (97 Prozent); Donnerhall, Oldenburger von Donnerwetter, Zuchtwert 157 (99 Prozent); Wolkentanz II, Hannoveraner von Weltmeyer, Zuchtwert 156 (78 Prozent); Royal Diamond, Oldenburger von Rubinstein I, Zuchtwert 156 (89 Prozent); De Niro, Hannoveraner von Donnerhall, Zuchtwert 155 (95 Prozent); Weltmeyer, Hannoveraner von World Cup I, Zuchtwert 155 (99 Prozent); White Magic, Hannoveraner von Weltmeyer, Zuchtwert 155 (89 Prozent); D`Olympic, Oldenburger von Donnerhall, Zuchtwert 155 (83 Prozent). Die besten fünf Prozent der 2.252 veröffentlichten Hengsten wurden mit einem Zuchtwert von 135 und besser geschätzt (die besten zehn Prozent haben einen Zuchtwert von 127 und besser, die besten 25 Prozent einen Zuchtwert von 114 und besser).

Auch in der Rangliste Springen gibt es in der "Pool-Position" keine Veränderung zu 2001: Es führt der Bundeschampion von 1998, der Hannoveraner Spartan-Sohn Stakkato. Für ihn wurde mit einer Genauigkeit von 84 Prozent ein Zuchtwert von 169 geschätzt. Den zweiten Platz belegt der Holsteiner Carthago von Capitol I, sein Zuchtwert lautet 156, die Genauigkeit liegt bei 97 Prozent. Ein Zuchtwert von 154 wurde für sechs Hengste geschätzt: Cassini I, Holsteiner von Capitol I (Genauigkeit 96 Prozent); Contender, Holsteiner von Calypso I (98 Prozent); Chambertin, Holsteiner von Cambridge (76 Prozent); Caretino, Holsteiner von Caletto I (97 Prozent); Acorado I, Holsteiner von Acord II (84 Prozent) und Perpignon, Hannoveraner von Pilot (80 Prozent). Mit dem Zuchtwert von 153 folgen Coriano, Holsteiner von Corrado I (Genauigkeit 94 Prozent) und C-Indoctro, Holsteiner von Capitol I (75 Prozent). Die besten fünf Prozent der 2.252 veröffentlichten Hengsten wurden mit einem Zuchtwert von 137 und besser geschätzt (die besten zehn Prozent haben einen Zuchtwert von 129 und besser, die besten 25 Prozent einen Zuchtwert von 117 und besser).

Datengrundlage des Zuchtwertschätzmodells sind die Leistungsdaten und die Abstammungsdaten. Zu den Leistungsdaten gehört zum einen der Turniersport. Berücksichtigt werden alle mit TORIS erfassten Dressur- und Springprüfungen bis zur Klasse S ab dem 1. Januar 1995. Über die Rückmeldung der Ergebnisse aller gestarteten Pferde ist eine Rangierung innerhalb des gesamten Starterfeldes möglich. Auch die Ergebnisse, die junge Pferde in Dressur- und/oder Springpferdeprüfungen erzielen, fließen über die Wertnote in die ZWS ein. Hinzu kommen Informationen aus den Zuchtstuten- und Hengstleistungsprüfungen. Noten für Schritt, Trab, Galopp, Rittigkeit und Freispringen (bei Zuchtstutenprüfungen) bzw. die Noten für die Gangarten, für die Rittigkeit, für das Frei- und das Parcoursspringen (bei Hengstleistungsprüfungen) werden ebenfalls als Leistungsmerkmale verwendet. Zu diesen Leistungsdaten kommen noch die Abstammungsdaten aus mindestens zwei Generationen, die für eine verwandtschaftliche Verknüpfung herangezogen werden.

All diese Daten von rund 390.000 Pferden - mehr als vier Millionen Informationen aus Turniersportprüfungen, mehr als 1,1 Millionen Informationen aus Ausbauprüfungen, rund 45.000 Informationen aus Zuchtstutenprüfungen, rund 4.800 Informationen aus Hengstleistungsprüfungen – fließen in ein sehr aufwendiges statistisches Schätzverfahren, das sogenannte BLUP-Mehrmerkmals-Wiederholbarkeits-Tiermodell ein. Zur Schätzung der genetischen Über- oder Unterlegenheit (Zuchtwert) eines Pferdes werden nicht nur seine eigenen Leistungen sondern auch die all seiner Verwandten herangezogen. Gleichzeitig tragen die Leistungen in einem Merkmal auch Informationen zur Schätzung des Zuchtwertes in allen anderen Merkmalen bei. Die Leistung eines Pferdes wird immer in Relation zu den Leistungen anderer Pferde unter vergleichbaren Umweltbedingungen gesehen. Diese Vergleiche finden innerhalb derselben Prüfung, Altersklasse oder Leistungsklasse seines Reiters statt. Durch die gleichzeitige Berücksichtigung all dieser Umwelteffekte und des genetischen Effektes des Pferdes selbst, ist das Schätzmodell in der Lage, die Überlegenheit eines Pferdes all diesen Einflussfaktoren differenziert zuzuordnen. Das heißt: Es wird bei dem Modell berücksichtigt, ob ein Pferd eine Prüfung gewonnen hat, weil es unter einem besonders guten Reiter ging, weil die anderen Pferde im Teilnehmerfeld leistungsmäßig besonders schwach waren oder weil das Pferd entsprechend hoch genetisch veranlagt ist. Mit diesem Modell können in allen Merkmalen Zuchtwerte geschätzt werden, auch wenn das Pferd selbst keine entsprechende Eigenleistung hat, sondern nur seine Verwandten.

Für jedes Pferd wird in jedem Einzelmerkmal ein Zuchtwert geschätzt, es gibt also 20 Einzelzuchtwerte. Die Springmerkmale aller Prüfungsarten, also der Rang in der Springprüfung, die Wertnote in der Springpferdeprüfung, die Beurteilung des Frei- und Parcoursspringens bei den Zuchtprüfungen werden zu einem Gesamtzuchtwert "Springen" zusammengefasst. Gleiches gilt für die Dressurmerkmale: Rangierung in der Dressurprüfung, Wertnote aus der Dressurpferdeprüfung, Beurteilung der Gangarten und der Rittigkeit aus den Zuchtprüfungen, daraus ergibt sich der Gesamtzuchtwert "Dressur".

Wichtig für die richtige Interpretation der Zuchtwerte ist die Sicherheit der Schätzung. Für Pferde mit wenig verfügbarer Informationen (wenn etwa nur von der Mutter oder vom Vater Informationen vorliegen) oder für Pferde, die nur eine Eigenleistung (z.B. nur wenige Starts in Aufbauprüfungen) haben, wird der Zuchtwert „vorsichtiger" geschätzt als für Pferde mit umfangreichen Informationen. Die Zuchtwerte für Hengste werden im Jahrbuch Zucht nur dann veröffentlicht, wenn der geschätzte Gesamtzuchtwert Springen bzw. Dressur eine Sicherheit von mindestens 75 Prozent aufweist und die Schätzung auf mindestens fünf Nachkommen mit Eigenleistungen basiert.

Das Jahrbuch Zucht 2002 wird noch vor Weihnachten im Handel erhältlich sein. In Kombination mit den Daten aus dem Jahrbuch Sport 2002 wird auch eine CD-Rom aufgelegt.
 
 

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